Myokarditis bei Sportlern 

Einordnung aus internistischer und sportmedizinischer Praxis auf Basis publizierter Fachbeiträge und wissenschaftlicher Literatur.

Herzmuskelentzündung bei Sportlern

Eine unterschätzte Gefahr – besonders nach Infekten

Plötzliche kardiale Ereignisse im Sport sind selten, aber sie kommen vor. Eine der wichtigsten Ursachen ist die Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Sie tritt häufig im zeitlichen Zusammenhang mit Infekten auf, bleibt oft lange unbemerkt und betrifft nicht nur Leistungs-, sondern auch ambitionierte Hobbysportlerinnen und -sportler. Gerade weil die Symptome unspezifisch sind, wird das Risiko häufig unterschätzt.

Was ist eine Herzmuskelentzündung – und warum ist sie gefährlich?

Bei einer Myokarditis handelt es sich um eine Entzündung des Herzmuskels. Sie kann zu Herzrhythmusstörungen, einer verminderten Pumpfunktion und in schweren Fällen zu einem Herzstillstand führen. Besonders problematisch ist, dass die Erkrankung oft nicht mit eindeutigen Warnsignalen beginnt. Viele Betroffene fühlen sich lediglich „nicht richtig belastbar“ oder ungewöhnlich müde – und trainieren weiter.

Ursachen: meist viral, oft banal beginnend

Die häufigste Ursache sind Virusinfektionen, insbesondere Erkältungsviren, Influenza-, Corona- oder Coxsackie-Viren. Auch Magen-Darm-Infekte können eine Myokarditis auslösen. Das Risiko steigt deutlich, wenn während eines Infekts oder zu früh nach Abklingen der Symptome wieder Sport betrieben wird. In dieser Phase ist das Immunsystem noch aktiv, und entzündliche Prozesse können auf den Herzmuskel übergreifen.

Symptome: unspezifisch, aber ernst zu nehmen

Typische Beschwerden sind häufig unscharf und werden leicht fehlinterpretiert. Dazu zählen:

  • ungewöhnliche Müdigkeit oder Abgeschlagenheit

  • Leistungsabfall ohne erklärbaren Grund

  • Atemnot bei Belastung oder in Ruhe

  • Herzstolpern oder Herzrasen

  • Brustdruck oder Brustschmerzen

Warnzeichen sind insbesondere ein unerklärlicher Einbruch der Leistungsfähigkeit, ein anhaltend erhöhter Ruhepuls oder Beschwerden unter Belastung, die vorher nicht bestanden.

Diagnostik und Therapie

Die Abklärung erfolgt stufenweise und kombiniert mehrere Untersuchungen, darunter Ruhe- und Belastungs-EKG, Blutuntersuchungen, Herzultraschall und bei begründetem Verdacht ein Herz-MRT. Wichtig ist: Eine Myokarditis kann auch bei zunächst unauffälligem EKG vorliegen.

Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist konsequente körperliche Schonung. Bei bestätigter oder vermuteter Herzmuskelentzündung gilt eine Sportpause. Je nach Befund können medikamentöse Therapien erforderlich sein. Die vollständige Heilung dauert häufig Wochen bis Monate.

Return to Sport: strukturiert und kontrolliert

Der Wiedereinstieg in den Sport sollte ausschließlich stufenweise erfolgen und erst nach unauffälligen Kontrolluntersuchungen. Jede Belastungsstufe muss symptomfrei absolviert werden. Treten erneut Beschwerden auf, ist sofort zu pausieren und gegebenenfalls erneut ärztlich abzuklären. Ziel ist nicht ein schneller, sondern ein sicherer Return to Sport.

Prävention: der wichtigste Faktor

Die wirksamste Prävention ist konsequentes Verhalten bei Infekten:

  • kein Sport bei Fieber oder ausgeprägten Krankheitssymptomen

  • ausreichend Erholung nach Infekten

  • langsame Belastungssteigerung

  • ausreichender Schlaf, Flüssigkeit und Regeneration

  • Impfungen reduzieren indirekt das Risiko infektbedingter Komplikationen

Dr. Denis Biró bei der echokardiographischen Untersuchung im Rahmen der Myokarditis-Diagnostik.

Egal wie fit man sich fühlt: Eine Herzmuskelentzündung kann jede und jeden treffen. Aufmerksamkeit und Prävention sind entscheidend.


Die Inhalte dieses Beitrags basieren auf internistisch-sportmedizinischer Praxis, wissenschaftlicher Arbeit sowie publizierten Fachartikeln des Autors.

Dr. Denis Biró ist Autor zahlreicher Beiträge zu präventions-, sport- und internistisch relevanten Themen, u. a. in Magazinen des Motor Presse Verlags (u.a. ROADBIKE, MountainBIKE, Runner’s World). Die dargestellten Inhalte dienen der medizinischen Einordnung und ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung.

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