Hashimoto-Thyreoiditis

Abstrakte Darstellung der Schilddrüse bei einer Frau – visualisiert durch unterschiedlich große Punkte am Hals als Symbol für Hashimoto-Thyreoiditis und autoimmune Entzündung.

Einordnung aus internistischer und sportmedizinischer Praxis auf Basis publizierter Fachbeiträge und wissenschaftlicher Literatur.

Verstehen, einordnen und im Alltag gut begleiten

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion. Es handelt sich um eine autoimmune Erkrankung, bei der das Immunsystem das eigene Schilddrüsengewebe angreift. Der Verlauf ist meist langsam und schleichend. Gerade weil die Symptome unspezifisch sind, bleibt die Erkrankung häufig lange unerkannt oder wird anderen Ursachen zugeschrieben.

Was ist Hashimoto – und was passiert im Körper?

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis kommt es zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse. Im Verlauf wird funktionsfähiges Schilddrüsengewebe schrittweise zerstört. Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber gut kontrollierbar.

Charakteristisch ist ein wechselhafter Verlauf. Phasen mit normaler Schilddrüsenfunktion können sich mit Phasen einer Unterfunktion abwechseln. Zu Beginn kann es auch kurzfristig zu einer leichten Überfunktion kommen, bevor langfristig eine Unterfunktion entsteht.

Symptome: häufig diffus, selten eindeutig

Die Beschwerden entwickeln sich oft über Jahre und sind nicht immer klar der Schilddrüse zuzuordnen. Häufige Symptome sind:

  • Müdigkeit, Erschöpfung, Leistungsabfall

  • Kälteempfindlichkeit

  • Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung

  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme

  • depressive Verstimmung

  • trockene Haut, Haarausfall

  • Zyklus- und Fruchtbarkeitsstörungen

Da diese Symptome viele Ursachen haben können, ist eine strukturierte Abklärung entscheidend.

Wer ist betroffen?

Hashimoto tritt deutlich häufiger bei Frauen auf als bei Männern und kann in jedem Lebensalter beginnen. Eine familiäre Häufung ist typisch. Häufig bestehen Überschneidungen mit anderen Autoimmunerkrankungen.

Hormonelle Umstellungen, Stress und Infekte können den Verlauf beeinflussen, gelten jedoch nicht als alleinige Ursache der Erkrankung.

Diagnostik: immer im Gesamtbild

Die Diagnose basiert nicht auf einem einzelnen Laborwert, sondern auf der Kombination aus:

  • Schilddrüsenhormonen

  • spezifischen Autoantikörpern

  • Ultraschall der Schilddrüse

Gerade im Frühstadium können die Hormonwerte noch im Normbereich liegen, während der Ultraschall bereits typische Veränderungen zeigt. Entscheidend ist daher eine ganzheitliche Bewertung von Beschwerden, Labor und Bildgebung.

Therapie: individuell, nicht schematisch

Nicht jede Hashimoto-Erkrankung erfordert sofort eine medikamentöse Therapie. Behandelt wird dann, wenn eine relevante Unterfunktion vorliegt oder Beschwerden bestehen. Die Substitution erfolgt mit Schilddrüsenhormonen in individuell angepasster Dosierung.

Ziel ist nicht die Optimierung eines einzelnen Laborwerts, sondern die Stabilisierung von Befinden, Leistungsfähigkeit und Alltagstauglichkeit. Der Hormonbedarf kann sich im Verlauf ändern, weshalb regelmäßige Kontrollen sinnvoll sind.

Hashimoto und Sport

Bewegung ist auch bei Hashimoto grundsätzlich sinnvoll. Sie verbessert Stoffwechsel, Muskelkraft, Herz-Kreislauf-Gesundheit und psychisches Wohlbefinden. Entscheidend ist jedoch die Belastungssteuerung.

In instabilen Phasen oder bei ausgeprägter Erschöpfung kann zu intensives Training kontraproduktiv sein. Hinweise auf eine Überlastung sind:

  • ungewöhnlich lange Regenerationszeiten

  • anhaltende Müdigkeit

  • Herzklopfen oder innere Unruhe

  • Leistungseinbruch trotz Training

Empfohlen wird eine Kombination aus moderater Ausdauerbewegung und Krafttraining. Hochintensive Einheiten sollten nur bei stabiler Stoffwechsellage gezielt eingesetzt werden.

Hashimoto und Schwangerschaft

In der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen bereits früh an. Eine stabile Schilddrüsenfunktion ist wichtig für:

  • die Entwicklung des Kindes

  • den Schwangerschaftsverlauf

  • das Wohlbefinden der Mutter

Frauen mit bekannter Hashimoto-Thyreoiditis benötigen daher frühzeitige und engmaschige Kontrollen. Häufig ist eine Anpassung der Hormondosis erforderlich. Auch nach der Geburt kann es zu erneuten Schwankungen kommen, weshalb Verlaufskontrollen sinnvoll sind.

Hashimoto in den Wechseljahren

Die Wechseljahre gehen mit hormonellen Veränderungen einher, deren Symptome sich mit einer Schilddrüsenunterfunktion überschneiden können. Müdigkeit, Gewichtszunahme, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen lassen sich oft nicht eindeutig zuordnen.

In dieser Lebensphase kann sich der Hormonbedarf verändern. Eine regelmäßige Überprüfung der Schilddrüsenfunktion hilft, Fehl- oder Überdosierungen zu vermeiden. Zusätzlich sollten Faktoren wie Muskelabbau, Knochendichte und Stressbelastung berücksichtigt werden.

Ernährung, Supplemente und Mythen

Rund um Hashimoto existieren zahlreiche Diät- und Supplement-Empfehlungen. Für die meisten Betroffenen gilt:

  • eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung ist ausreichend

  • pauschale Verbote oder extreme Diäten sind meist nicht notwendig

  • Nahrungsergänzungsmittel sollten nur gezielt bei nachgewiesenem Mangel eingesetzt werden

Wichtiger als Einzelmaßnahmen ist eine realistische, langfristig umsetzbare Lebensstilstrategie.

Fazit

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine häufige, gut begleitbare Erkrankung. Entscheidend sind eine differenzierte Diagnostik, eine individuell angepasste Therapie und die Berücksichtigung verschiedener Lebensphasen. Mit einer ganzheitlich-internistischen Betreuung lassen sich Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und Sicherheit langfristig erhalten.

Nicht starre Regeln, sondern Verständnis und individuelle Anpassung schaffen Stabilität im Alltag.

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